California Proposition 65: Pflichten, Warnhinweise und Umsetzung für Unternehmen
California Proposition 65 verpflichtet Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen, Menschen in Kalifornien vor einer Exposition gegenüber Chemikalien zu warnen, die als krebserzeugend oder fortpflanzungsgefährdend gelistet sind. Die Anforderungen können auch europäische Hersteller, Exporteure, Markeninhaber, Händler und Onlineanbieter betreffen, wenn ihre Produkte in Kalifornien verkauft oder verwendet werden.
Entscheidend ist nicht allein, ob ein gelisteter Stoff in einem Produkt enthalten ist. Unternehmen müssen prüfen, ob bei der vorhersehbaren Verwendung eine relevante Exposition entstehen kann, ob ein Safe-Harbor-Wert eingehalten wird und ob eine gesetzeskonforme Warnung erforderlich ist.
California Proposition 65 kurz erklärt
- Die Vorschrift gilt für relevante Expositionen in Kalifornien.
- Die Chemikalienliste wird regelmäßig aktualisiert.
- Das bloße Vorhandensein eines Stoffes löst nicht automatisch eine Warnpflicht aus.
- Maßgeblich sind der Expositionsweg und die voraussichtliche Expositionshöhe.
- Warnungen müssen klar, angemessen und vor der Exposition bereitgestellt werden.
- Auch Verkäufe über Onlineshops und Kataloge müssen berücksichtigt werden.
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Was ist California Proposition 65?
California Proposition 65 ist die gebräuchliche Bezeichnung für den Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986. Das Gesetz wurde 1986 durch eine Abstimmung in Kalifornien angenommen.
Es verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele:
- Menschen in Kalifornien sollen vor einer relevanten Exposition gegenüber gelisteten krebserzeugenden oder reproduktionstoxischen Chemikalien gewarnt werden.
- Unternehmen dürfen gelistete Chemikalien grundsätzlich nicht wissentlich in kalifornische Trinkwasserquellen einleiten, sofern keine Ausnahme greift.
Die zuständige Behörde ist das Office of Environmental Health Hazard Assessment, kurz OEHHA. Die Behörde führt und aktualisiert die Proposition-65-Stoffliste und erlässt Vorschriften zu Warnhinweisen, Expositionsbewertungen und Safe-Harbor-Werten.
Welche Unternehmen können von Proposition 65 betroffen sein?
Proposition 65 kann Unternehmen betreffen, die Produkte oder Dienstleistungen für den kalifornischen Markt anbieten oder anderweitig relevante Expositionen in Kalifornien verursachen. Der Firmensitz muss sich dafür nicht zwingend in Kalifornien befinden.
Betroffen sein können insbesondere:
- Hersteller von Konsum- und Industrieprodukten
- Europäische Exporteure und Zulieferer
- Markeninhaber und Private-Label-Anbieter
- Importeure und Distributoren
- Einzelhändler und Onlinehändler
- Betreiber von Produktions- und Betriebsstätten
- Unternehmen, die Dienstleistungen in Kalifornien erbringen
- Hotels, Restaurants, Vermieter und andere Betreiber öffentlich zugänglicher Einrichtungen
Auch ein Unternehmen, das nicht unmittelbar an Endverbraucher verkauft, kann von Kunden zur Bereitstellung von Stoffdaten, Prüfergebnissen und Proposition-65-Erklärungen aufgefordert werden.
Welche Chemikalien stehen auf der Proposition-65-Liste?
Die Proposition-65-Liste umfasst zahlreiche natürliche und synthetische Chemikalien, die nach den gesetzlichen Kriterien als krebserzeugend, entwicklungs- oder reproduktionstoxisch eingestuft wurden. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert.
Zu den häufig diskutierten Stoffen und Stoffgruppen gehören beispielsweise:
- Blei und Bleiverbindungen
- Cadmium und Cadmiumverbindungen
- Sechswertige Chromverbindungen
- Bestimmte Phthalate wie DEHP, DBP und BBP
- Bisphenol A
- Formaldehyd
- Acrylamid
- Nickel und bestimmte Nickelverbindungen
- Bestimmte Flammschutzmittel
- Bestimmte Lösungsmittel, Pestizide und Prozesschemikalien
Die Nennung eines Stoffes auf der Liste bedeutet nicht automatisch, dass jedes Produkt mit einem entsprechenden Stoff eine Warnung tragen muss. Maßgeblich ist, ob eine nach Proposition 65 relevante Exposition entsteht und ob diese oberhalb eines anwendbaren Safe-Harbor-Wertes liegt.
Wann ist ein Proposition-65-Warnhinweis erforderlich?
Ein Unternehmen muss grundsätzlich eine klare und angemessene Warnung bereitstellen, bevor es eine Person wissentlich und absichtlich einer gelisteten Chemikalie aussetzt, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift.
Für die Bewertung sind insbesondere folgende Fragen wichtig:
- Enthält das Produkt oder der relevante Prozess eine gelistete Chemikalie?
- Kann die Chemikalie bei einer vorgesehenen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Verwendung freigesetzt werden?
- Über welchen Weg kann die Exposition erfolgen?
- Wie hoch ist die voraussichtliche tägliche Exposition?
- Existiert für den Stoff ein offizieller Safe-Harbor-Wert?
- Liegt die Exposition oberhalb oder unterhalb dieses Wertes?
- Greift eine andere gesetzliche Ausnahme?
- Wie und wo muss eine erforderliche Warnung dargestellt werden?
Eine reine Konzentrationsangabe im Material reicht für die abschließende Bewertung häufig nicht aus. Proposition 65 ist im Kern expositionsbezogen. Verwendungsdauer, Kontakthäufigkeit, Stoffmigration, Aufnahmeweg und vorhersehbares Nutzerverhalten können das Ergebnis beeinflussen.
Was sind Safe-Harbor-Werte?
OEHHA hat für zahlreiche gelistete Chemikalien sogenannte Safe-Harbor-Werte veröffentlicht. Liegt die relevante Exposition bei oder unter dem anwendbaren Wert, besteht grundsätzlich ein geschützter Bereich hinsichtlich der Warnpflicht.
Es gibt zwei wichtige Arten von Safe-Harbor-Werten:
- No Significant Risk Level (NSRL): Wert für Chemikalien, die als krebserzeugend gelistet sind.
- Maximum Allowable Dose Level (MADL): Wert für Chemikalien, die als reproduktions- oder entwicklungstoxisch gelistet sind.
Der NSRL basiert grundsätzlich auf einem Expositionsniveau, das bei lebenslanger Exposition rechnerisch nicht mehr als einen zusätzlichen Krebsfall je 100.000 exponierten Personen verursacht.
Der MADL wird aus einem Expositionsniveau abgeleitet, bei dem kein beobachtbarer Effekt festgestellt wurde. Dieses Niveau wird zur Berücksichtigung eines Sicherheitsabstands grundsätzlich durch 1.000 geteilt.
Was gilt, wenn kein Safe-Harbor-Wert existiert?
Für zahlreiche gelistete Chemikalien hat OEHHA keinen offiziellen Safe-Harbor-Wert festgelegt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jede nachweisbare Menge automatisch eine Warnpflicht auslöst.
Ein Unternehmen kann eine eigene wissenschaftlich belastbare Expositions- und Risikobewertung durchführen. Dabei liegt die Verantwortung für den Nachweis, dass keine Warnung erforderlich ist, grundsätzlich beim Unternehmen.
Ohne belastbare Bewertung kann eine Warnung erforderlich sein. OEHHA weist jedoch darauf hin, dass Unternehmen nicht unnötig warnen sollten, sondern bei Unsicherheit eine qualifizierte fachliche Bewertung in Betracht ziehen sollten.
Wie wird eine Proposition-65-Exposition bewertet?
Eine fundierte Bewertung verbindet Stoffdaten mit dem tatsächlichen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Expositionsszenario. Typische Schritte sind:
- Identifikation gelisteter Stoffe im Produkt
- Ermittlung der Stoffkonzentration in relevanten Materialien
- Bewertung möglicher Freisetzungen oder Migrationen
- Bestimmung des Expositionswegs
- Festlegung realistischer Nutzungs- und Kontaktszenarien
- Berechnung oder Messung der täglichen Exposition
- Vergleich mit offiziellen Safe-Harbor-Werten
- Dokumentation von Annahmen, Datenquellen und Ergebnissen
Mögliche Expositionswege sind unter anderem Hautkontakt, Verschlucken oder Einatmen. Bei Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, Schmuck, Textilien, Werkzeugen oder elektrischen Produkten können jeweils unterschiedliche Szenarien relevant sein.
Reicht das Vorhandensein eines gelisteten Stoffes für eine Warnpflicht aus?
Nein. Eine Proposition-65-Warnung knüpft grundsätzlich an eine Exposition an und nicht allein an das Vorhandensein eines Stoffes.
Ein Produkt kann einen gelisteten Stoff enthalten, ohne dass bei der vorhersehbaren Verwendung eine relevante Exposition oberhalb des anwendbaren Safe-Harbor-Wertes entsteht. Umgekehrt können bereits vergleichsweise geringe Stoffmengen relevant sein, wenn sie leicht freigesetzt oder aufgenommen werden.
Unternehmen sollten daher weder ausschließlich auf Stoffkonzentrationen vertrauen noch vorschnell aus jeder Stoffnennung eine Warnpflicht ableiten.
Wie muss ein Proposition-65-Warnhinweis aussehen?
Eine erforderliche Warnung muss klar und angemessen sein und vor der Exposition bereitgestellt werden. Die kalifornischen Vorschriften enthalten sogenannte Safe-Harbor-Methoden und standardisierte Warninhalte. Werden diese ordnungsgemäß verwendet, bieten sie Unternehmen eine festgelegte Möglichkeit zur Erfüllung der Warnanforderungen.
Abhängig vom Produkt und Vertriebsweg können unter anderem folgende Elemente erforderlich sein:
- Ein vorgeschriebenes Warnsymbol
- Ein Signalwort wie „WARNING“ oder eine zulässige Alternative
- Benennung mindestens einer relevanten Chemikalie
- Angabe, ob die Chemikalie Krebs, Fortpflanzungsschäden oder beides verursachen kann
- Verweis auf die offizielle Proposition-65-Warnwebsite
- Gut sichtbare und verständliche Platzierung der Warnung
Welche konkrete Formulierung zulässig oder erforderlich ist, hängt unter anderem von der Art des Produkts, dem Expositionsweg und der verwendeten Warnmethode ab. Für bestimmte Produkt- und Expositionsarten existieren eigene Warntexte.
Was hat sich bei den Kurzform-Warnungen geändert?
OEHHA hat die Vorschriften für Kurzform-Warnungen überarbeitet. Die Änderungen sind am 1. Januar 2025 in Kraft getreten. Unternehmen, die bereits bestehende Kurzform-Warnungen verwenden, erhalten eine dreijährige Übergangsfrist für die Umstellung.
Zu den wesentlichen Änderungen gehört, dass die neue Kurzform-Warnung mindestens eine gelistete Chemikalie benennen muss, die für die jeweilige Gefahrenart verantwortlich ist.
Unternehmen sollten deshalb:
- bestehende Kurzform-Warnungen inventarisieren,
- die tatsächlich relevanten Chemikalien identifizieren,
- Produktetiketten und Verpackungen aktualisieren,
- Warnungen in Onlineshops und Katalogen anpassen,
- Händler rechtzeitig über neue Warninhalte informieren und
- die vollständige Umstellung innerhalb der Übergangsfrist planen.
Die Übergangsregelungen und Verantwortlichkeiten sollten für jeden Vertriebsweg konkret geprüft werden. Für bestimmte Fahrzeug- und Schifffahrtsteile wurden außerdem besondere Warnmöglichkeiten geschaffen.
Was gilt für Onlinehandel und Katalogverkauf?
Bei Produkten, die über das Internet oder einen Katalog verkauft werden, darf eine erforderliche Proposition-65-Warnung nicht ausschließlich nach dem Kauf auf dem gelieferten Produkt erscheinen.
Die Warnung muss dem Käufer grundsätzlich bereits vor Abschluss des Kaufs zugänglich sein. Im Onlinehandel sollte sie eindeutig dem betroffenen Produkt zugeordnet und im Kaufprozess gut erkennbar dargestellt werden.
Unternehmen sollten insbesondere prüfen:
- ob die Warnung direkt auf der Produktseite erscheint,
- ob sie vor dem Kauf wahrgenommen werden kann,
- ob Online- und Produktwarnung inhaltlich zusammenpassen,
- ob Marktplätze und Vertriebspartner die Informationen korrekt darstellen,
- ob Änderungen an Warntexten an alle Händler weitergegeben wurden und
- ob für unterschiedliche Produktvarianten abweichende Warnungen erforderlich sind.
Ein allgemeiner Hinweis in den Geschäftsbedingungen oder auf einer nicht eindeutig zugeordneten Informationsseite ist regelmäßig keine verlässliche Umsetzung einer produktspezifischen Warnung.
Wer ist für den Warnhinweis verantwortlich?
Die Vorschriften zur Verantwortungsverteilung zielen darauf ab, dass Hersteller, Produzenten, Verpacker, Importeure, Lieferanten und Händler die erforderlichen Warninformationen entlang der Lieferkette weitergeben und gegenüber Verbrauchern korrekt darstellen.
Hersteller und vorgelagerte Unternehmen können die erforderliche Warnung selbst auf dem Produkt anbringen oder ihren Vertriebspartnern die notwendigen Warnmaterialien und schriftlichen Informationen bereitstellen.
Händler können insbesondere dann eigene Verantwortung tragen, wenn sie:
- Produkte unter einer eigenen Marke vertreiben,
- selbst gelistete Chemikalien hinzufügen,
- Warnhinweise verändern oder entfernen,
- erhaltene Warninformationen nicht an Verbraucher weitergeben oder
- anderweitig Kenntnis von einer erforderlichen Warnung haben.
Die genaue Verantwortung sollte vertraglich und operativ geregelt werden. Vereinbarungen zwischen Unternehmen ersetzen jedoch nicht automatisch gesetzliche Pflichten gegenüber Verbrauchern oder Behörden.
Welche Unternehmen sind von Proposition 65 ausgenommen?
Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind grundsätzlich von den Warnanforderungen und dem Verbot entsprechender Einleitungen in Trinkwasserquellen ausgenommen. Auch staatliche Stellen sind nach den gesetzlichen Voraussetzungen ausgenommen.
Daneben kann eine Warnung entfallen, wenn die verursachte Exposition so niedrig ist, dass sie keinen signifikanten Krebs- oder Reproduktionsschaden im Sinne der Vorschriften darstellt.
Die Kleinunternehmensausnahme sollte nicht vorschnell auf die gesamte Lieferkette übertragen werden. Ein kleiner Zulieferer kann zwar selbst ausgenommen sein, seine größeren Kunden können für dasselbe Produkt dennoch Stoffinformationen oder Warnungen benötigen.
Welche Bedeutung haben Lieferantenerklärungen?
Belastbare Lieferantendaten sind eine wichtige Grundlage für die Proposition-65-Bewertung. Eine pauschale Erklärung wie „Prop 65 compliant“ reicht häufig nicht aus, wenn unklar bleibt, welche Stoffe, Materialien, Produktvarianten oder Expositionswege bewertet wurden.
Eine geeignete Lieferantenanfrage sollte mindestens folgende Informationen abdecken:
- Eindeutige Artikel- und Materialnummer
- Betroffene Produktversion oder Produktfamilie
- Enthaltene Proposition-65-Stoffe
- CAS-Nummern der relevanten Chemikalien
- Stoffkonzentrationen oder Konzentrationsbereiche
- Material oder Bauteil, in dem der Stoff enthalten ist
- Mögliche Freisetzungs- und Expositionswege
- Vorhandene Prüfberichte oder Expositionsbewertungen
- Aktuell verwendete Warnhinweise
- Datum und Geltungsbereich der Erklärung
Da die Proposition-65-Liste regelmäßig geändert wird, sollten Lieferantenerklärungen nicht unbegrenzt als aktuell betrachtet werden. Neue Stofflistungen, Materialänderungen oder Lieferantenwechsel können eine erneute Bewertung erforderlich machen.
Ist ein Proposition-65-Test für jedes Produkt erforderlich?
Es gibt keinen einzelnen universellen „Proposition-65-Test“, der automatisch für jedes Produkt eine rechtssichere Antwort liefert. Laboranalysen können feststellen, ob und in welcher Konzentration bestimmte Stoffe vorhanden sind. Die Warnpflicht hängt jedoch von der daraus entstehenden Exposition ab.
Ein geeigneter Prüfprozess kann daher mehrere Ebenen umfassen:
- Auswertung der vollständigen Produkt- und Materialdaten
- Abgleich mit der aktuellen Proposition-65-Liste
- Risikobasierte Auswahl relevanter Stoffe
- Gezielte chemische Laboranalysen
- Freisetzungs- oder Migrationstests
- Bewertung realistischer Nutzungsszenarien
- Berechnung der erwarteten täglichen Exposition
- Vergleich mit Safe-Harbor-Werten
Der erforderliche Aufwand hängt stark von Produktart, Material, Nutzungsweise, Zielgruppe und möglichem Expositionsweg ab.
Wie unterscheidet sich Proposition 65 von REACH und RoHS?
| Regelwerk | Schwerpunkt | Typische Unternehmensaufgabe |
|---|---|---|
| California Proposition 65 | Warnung vor relevanten Expositionen in Kalifornien | Stoffe und Exposition bewerten; gegebenenfalls Warnung bereitstellen |
| REACH | Chemikalienrecht und Stoffpflichten im Europäischen Wirtschaftsraum | Beschränkungen, Informations- und gegebenenfalls Meldepflichten prüfen |
| RoHS | Beschränkte Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten | Grenzwerte in homogenen Werkstoffen und Produktkonformität nachweisen |
Eine REACH- oder RoHS-Konformitätserklärung beantwortet daher nicht automatisch die Frage, ob für ein Produkt eine Proposition-65-Warnung notwendig ist.
Welche Folgen können Verstöße haben?
Proposition 65 kann durch staatliche Stellen und unter bestimmten Voraussetzungen auch durch private Kläger durchgesetzt werden. Vor einer privaten Klage wird üblicherweise eine sogenannte 60-Day Notice of Violation an das Unternehmen und die zuständigen öffentlichen Stellen übermittelt.
Mögliche Folgen sind:
- Zivilrechtliche Sanktionen von bis zu 2.500 US-Dollar pro Verstoß und Tag
- Gerichts- und Anwaltskosten
- Vergleichszahlungen
- Nachträgliche Anpassung von Etiketten und Verpackungen
- Änderungen an Onlineshops und Produktkatalogen
- Verkaufsstopps oder Rücknahmen durch Vertriebspartner
- Zusätzliche Prüf- und Dokumentationskosten
- Reputations- und Kundenrisiken
Unternehmen sollten eine erhaltene 60-Day Notice nicht ignorieren. Neben einer rechtlichen Prüfung sollte kurzfristig geklärt werden, welche Produkte, Stoffe, Absatzwege und Warninformationen betroffen sind.
Wie können Unternehmen Proposition 65 systematisch umsetzen?
- Marktbezug feststellen: Prüfen, welche Produkte in Kalifornien verkauft, vertrieben oder verwendet werden.
- Produktportfolio priorisieren: Produkte anhand von Materialien, Verwendung und Absatzvolumen in Risikogruppen einteilen.
- Stoffdaten beschaffen: Lieferantenerklärungen, Materialinformationen und Prüfberichte einholen.
- Stoffliste abgleichen: Inhaltsstoffe mit der aktuellen Proposition-65-Liste vergleichen.
- Expositionswege bestimmen: Hautkontakt, Verschlucken, Einatmen und andere relevante Wege bewerten.
- Exposition ermitteln: Realistische Freisetzungs-, Kontakt- und Nutzungsszenarien untersuchen.
- Safe-Harbor-Werte prüfen: NSRL- und MADL-Werte mit der ermittelten Exposition vergleichen.
- Warnentscheidung dokumentieren: Festhalten, warum eine Warnung erforderlich oder nicht erforderlich ist.
- Warnungen umsetzen: Produkt, Verpackung, Onlineangebot, Katalog und Vertriebsinformationen abstimmen.
- Lieferkette informieren: Händler und Marktplätze mit eindeutigen Warninformationen versorgen.
- Änderungen überwachen: Stoffliste, Warnvorschriften, Materialien und Lieferanten regelmäßig kontrollieren.
Häufige Fragen zu California Proposition 65
Was bedeutet California Proposition 65?
California Proposition 65 ist der Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986. Das kalifornische Gesetz verlangt unter bestimmten Voraussetzungen Warnungen vor einer Exposition gegenüber gelisteten krebserzeugenden oder fortpflanzungsgefährdenden Chemikalien.
Gilt Proposition 65 auch für europäische Unternehmen?
Ja. Europäische Unternehmen können betroffen sein, wenn ihre Produkte in Kalifornien verkauft oder verwendet werden und dadurch eine relevante Exposition gegenüber einem gelisteten Stoff entsteht.
Wann braucht ein Produkt eine Proposition-65-Warnung?
Eine Warnung ist grundsätzlich erforderlich, wenn ein Unternehmen wissentlich und absichtlich eine relevante Exposition gegenüber einer gelisteten Chemikalie verursacht und keine gesetzliche Ausnahme oder hinreichend niedrige Exposition nachgewiesen werden kann.
Reicht das Vorhandensein eines gelisteten Stoffes aus?
Nein. Entscheidend ist nicht allein die Stoffkonzentration im Produkt, sondern die voraussichtliche Exposition bei einer vorgesehenen oder vorhersehbaren Verwendung.
Was ist ein Proposition-65-Safe-Harbor-Wert?
Safe-Harbor-Werte sind von OEHHA veröffentlichte Expositionswerte. Hierzu gehören No Significant Risk Levels für krebserzeugende Stoffe und Maximum Allowable Dose Levels für reproduktionstoxische Stoffe.
Was gilt, wenn es keinen Safe-Harbor-Wert gibt?
Das Unternehmen kann eine eigene wissenschaftlich belastbare Expositionsbewertung durchführen. Ohne entsprechenden Nachweis kann eine Warnung erforderlich sein.
Muss die Warnung auch im Onlineshop stehen?
Bei einem Onlineverkauf muss eine erforderliche Warnung grundsätzlich vor Abschluss des Kaufs sichtbar und eindeutig dem betroffenen Produkt zugeordnet sein.
Gibt es eine Ausnahme für kleine Unternehmen?
Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind grundsätzlich von den Warn- und Einleitungsverboten der Proposition 65 ausgenommen. Größere Kunden oder Vertriebspartner können jedoch weiterhin Stoffinformationen verlangen.
Was hat sich bei der Kurzform-Warnung geändert?
Die seit dem 1. Januar 2025 geltenden Änderungen verlangen bei der neuen Kurzform grundsätzlich die Benennung mindestens einer relevanten Chemikalie. Für bereits bestehende Kurzform-Warnungen wurde eine dreijährige Übergangsfrist vorgesehen.
Ist eine Proposition-65-Warnung ein Verkaufsverbot?
Nein. Eine Warnung informiert vor einer möglichen Exposition. Sie ist nicht automatisch ein Verkaufsverbot und bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass ein Produkt bei normaler Nutzung eine konkrete Gesundheitsschädigung verursacht.
Ersetzt eine RoHS- oder REACH-Erklärung die Proposition-65-Prüfung?
Nein. RoHS und REACH verwenden andere Stofflisten, Bewertungsmaßstäbe und Pflichten. Eine eigenständige Proposition-65-Bewertung kann deshalb erforderlich sein.
Was ist eine 60-Day Notice?
Eine 60-Day Notice of Violation ist eine Mitteilung über einen behaupteten Verstoß, die vor bestimmten privaten Durchsetzungsverfahren an das betroffene Unternehmen und zuständige öffentliche Stellen übermittelt wird.
Unterstützung bei der Proposition-65-Compliance
ValueStream Europe unterstützt Unternehmen dabei, ihre Produkte, Stoffdaten und Lieferketten im Hinblick auf California Proposition 65 zu bewerten.
Zu den möglichen Unterstützungsleistungen gehören:
- Abgleich von Produkt- und Materialdaten mit der Proposition-65-Liste
- Identifikation potenziell relevanter Chemikalien
- Einholung und Plausibilitätsprüfung von Lieferantenerklärungen
- Bewertung von Datenlücken und Prüfbedarf
- Unterstützung bei der Vorbereitung von Expositionsbewertungen
- Prüfung vorhandener Warnhinweise und Produktinformationen
- Koordination von Informationen für Händler und Onlineplattformen
- Aufbau eines fortlaufenden Proposition-65-Monitorings
Weiterführende Informationen
- Ausführlicher ValueStream-Blogartikel zur California Proposition 65
- Offizielles Proposition-65-Portal von OEHHA
- Aktuelle Proposition-65-Stoffliste
- OEHHA-Informationen für Unternehmen
- Aktuelle Regeln für klare und angemessene Warnungen
Hinweis: Diese Seite bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine rechtliche oder produktspezifische Einzelfallprüfung. Maßgeblich sind die aktuell geltenden kalifornischen Gesetze und Vorschriften sowie die konkreten Produkt- und Expositionsbedingungen.

